1. Bedarfsermittlung — was muss klimatisiert werden?
Heizlast nach DIN EN 12831 für jeden Raum: Wärmeverluste über Außenwände, Fenster, Decken, Lüftung. Plus interne Lasten.
Kühllast nach VDI 2078: Solar-Eintrag, Personen, EDV, Beleuchtung, innere Wärmequellen, Lüftung.
Für VRF ist die Kühllast meist dimensionierend (Sommer-Auslegung), die Heizlast wird parallel geprüft (Winter-Auslegung bei niedrigen Außentemperaturen).
2. Innengerätetyp pro Raum festlegen
Pro Raum den passenden Innengerätetyp wählen (Wand, Kassette, Kanal, Decke, Konsole). Kriterien:
· Raumhöhe & -fläche
· Abgehängte Decke vorhanden?
· Optische Vorgaben (sichtbar / unsichtbar)
· Geräuschanforderung (z.B. Schlafzimmer: Wand klein)
· Frischluft (Kanalgerät mit Außenluftanschluss)
3. Außengerät: Größe und Anzahl
Gleichzeitigkeitsfaktor: Nicht alle Innengeräte laufen gleichzeitig auf Volllast. Realistischer Faktor: 0.7 – 1.3 (je nach Anwendung).
Beispiel: Hotel mit 30 Zimmern à 2 kW = 60 kW theoretisch. Mit Gleichzeitigkeitsfaktor 0.8 → 48 kW Außengeräte-Leistung notwendig.
Auswahl: Modulare Außengeräte (z.B. 22+22+10 = 54 kW) oder ein 56-kW-Single. Modulare Lösung bietet Redundanz und Teillast-Effizienz.
4. Rohrführung & Leitungslängen
Maximale Rohrlängen je Hersteller beachten:
· Längste Einzelleitung Außen → Innen: typisch 100–165 m
· Gesamte Rohrlänge im Netz: bis 1000 m
· Höhenunterschied Außen → Innen: bis 50–90 m
· Höhenunterschied zwischen Innengeräten: bis 15–40 m
Bei Überschreitung: Performance-Verluste (Kältemittel-Druckverlust). Zwischengeräte (Refnet-Adapter, Y-Stücke) korrekt dimensionieren.
5. Inbetriebnahme & Einregulierung
Nach Installation:
· Drucktest mit Stickstoff (40 bar, 24 h)
· Vakuum mit elektronischem Vakuumeter (≤ 200 Mikron, > 1 h Stillstand)
· Kältemittel füllen (Hersteller-Vorgabe pro m Rohr)
· Test aller Innengeräte einzeln + im Verbund
· Einregulierung der Sollwerte und Zeitprofile
· Anbindung an BMS (KNX, Modbus, BACnet)
· Übergabeprotokoll & Einweisung des Betreibers